Nachhaltige Materialien

Bauen mit Holz

von Romina Fölsing und Haniye Hashemi, 1. August 2020

Um den ökologischen Fußabdruck auf der Erde zu verringern, sollte beim Bauen auf die richtige Auswahl an Materialien geachtet werden. Es sollten Baustoffe bevorzugt werden, die recyclebar sind, aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen, und langfristig verfügbar sind. Möglichst kurze Transportwege durch Verwendung von Rohstoffen aus der umliegenden Umgebung unterstützen diesen Gedanken.

Bei der Planung selbst ist es wichtig Materialien mit ähnlichen Lebenszyklen zu wählen, um im Nachhinein große und aufwendige Sanierungsarbeiten zu vermeiden. Es ist nicht nur wichtig während der Bauphase einen niedrigen CO²-Ausstoß zu gewährleisten, sondern auch bei der Nutzung sowie dem Rückbau. Holz bietet sich aufgrund seiner besonderen Eigenschaften und guter Verfügbarkeit als natürliches Baumaterial an.

Holz ist eines der vielseitigsten und nachhaltigsten Rohstoffe, die uns auf unserem Planeten zur Verfügung stehen. Von Natur aus mit außergewöhnlichen funktionalen Eigenschaften ausgestattet, ist es auch optisch ansprechend. Es gibt eine unendliche Vielfalt an Holzoptionen für jeden Geschmack, jedes Budget und jeden Bedarf.

Grafik: Romina Fölsing

Holz dort zu verwenden, wo man lebt, arbeitet und sich aufhält, fördert die Gesundheit sowie das Wohlbefinden und kommt zudem der Umwelt zu Gute. Im Vergleich zu seinem Gewicht ist Holz sogar eines der tragfähigsten Baumaterialien. Der besondere Vorteil des Werkstoffes liegt darin, dass vor allem die Bauzeit sehr verkürzt ist und so ein Projekt schnell und einfach realisiert werden kann.

Durch Bauen mit Holz schafft man sehr wenige Baukonstruktionsflächen. Auch die Möglichkeit, die Außenwände schmal zu halten und trotzdem eine gute Dämmung zu bieten, spricht umso mehr für diesen Rohstoff. Die Schwingdauer der Holzbauten ist ein großer Vorteil und hervorragend geeignet, um beispielsweise in Erdbebengebieten eingesetzt zu werden. Zusätzlich ist Holz ein umweltfreundliches Material, welches mit Hilfe von Sonnenenergie entsteht, Kohlenstoff speichert und so den Treibhauseffekt vermindert. Bäume entziehen der Luft CO², speichern den Kohlenstoff im Holz und geben den Sauerstoff frei. Wer Holz zum Bauen verwendet, sorgt dafür, dass das Treibhausgas so lange nicht in die Atmosphäre gelangt, wie das Gebäude besteht.

Bauen mit Holz ist also ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz und schont Ressourcen, denn Holz wächst, im Vergleich zu Sand, Zement oder Stahl, nach. Fast alle Wälder in Europa werden nachhaltig bewirtschaftet, indem alte Bäume gefällt und neue gepflanzt werden.

Ein ebenso wichtiger Faktor, der für das Material Holz spricht, ist, dass es zum Wohlfühlen beiträgt, da es mehr Wärme als beispielsweise Stein vermittelt, selbst wenn die Temperatur objektiv gleich ist. So kann die Raumtemperatur deutlich niedriger gewählt und so ein angenehmes Raumklima erzielt werden. Wenn ein Holzhaus abgerissen wird, entsteht kein umweltbelastender Abfall, wie es bei herkömmlichen Bauten der Fall ist. Das Holz wird recycelt oder verbrannt und setzt so gespeicherte Sonnenenergie wieder frei. Bauen mit Holz ist Bauen der Zukunft.

Das höchste Holzhaus Deutschlands

Im neuen Heilbronner Stadtteil Neckarbogen ist seit letztem Frühjahr das bislang höchste aus Holz gebaute Haus in Deutschland entstanden. Mit dem „Skaio“ betritt die Stadtsiedlung Neuland im Wohnungsbau. 34 Meter und zehn Stockwerke hoch hat sich das Gebäude der Stadtsiedlung in den Himmel von Heilbronn geschraubt. Zumindest eine Zeit lang wird es das höchste Holzhochhaus bleiben, weitere Projekte stehen aber bereits in den Startlöchern.

Bildquelle: Third, www.thethird.de

Mittlerweile ist es üblich, besonderen Gebäuden Namen zu geben. Das Hochhaus im Neckarbogen heißt Skaio, abgeleitet vom englischen Wort „sky“ für Himmel. Das Skaio soll Maßstäbe setzen in Sachen Nachhaltigkeit: Alle Materialien des Gebäudes sollen zerlegbar, recyclebar oder wiederverwendbar sein. „Cradle to Cradle“ nennt sich das Prinzip, alle verwendeten Rohstoffe in den Kreislauf zurückzuführen. Ein Hochhaus ist kein Blockhaus und aufgrund seiner Höhe ist das Gebäude im Neckarbogen ein Hybridhaus aus mehreren Materialien. Gerade bei der Statik setzt der Werkstoff Holz seine Grenzen, weshalb das Treppenhaus und das Sockelgeschoss aus Beton sind. Es gibt Stützen, Träger und Konsolen aus Stahl.

Die sichtbaren Grenzen bei der Verwendung von Holz setzt vor allem der Brandschutz. Aus diesem Grund wird das Skaio von außen auf den ersten Blick auch nicht als Holzgebäude zu erkennen sein. Da eine Holzverkleidung Feuer fangen könnte, musste sich das Berliner Architekturbüro Kaden+Lager für eine Alternative entscheiden: Die Außenhülle besteht aus Aluminiumplatten. Im Innern soll dagegen möglichst viel Holz zu sehen sein, etwa bei den Decken und Wänden zur Außenseite hin.
Zu den Besonderheiten beim Brandschutz gehört eine Sprinkleranlage und eine Druckbelüftung für das Treppenhaus. Wegen vieler Detailfragen ist der Brandschutz aufwendig und die größte Herausforderung, doch mit guter Planung realisierbar. Skaio wird ein Meilenstein für die nachhaltige Bebauung von deutschen Städten sein, von denen es in Zukunft hoffentlich mehr zu sehen gibt.