Linked

interaktive Licht- und Klanginstallation für die Luminale 2020

von Prof. Klaus Teltenkötter, Prof. Holger Reckter, Prof. Wolf Gutjahr, Jana Bald, Verena Lütkemeier und Lea Schüll, März 2020

Die Gegenwart ist die Vergangenheit der Zukunft. Dies ist und war der Kernsatz unseres interdisziplinären Masterprojektes, das ab dem 12. März 2020 einem großen Publikum auf dem Lichtfestival Luminale im und am historischen Museum in Frankfurt direkt am Römer gezeigt werden sollte. Aber alles auf Anfang. Für die Studierenden hieß das Anfang Oktober 2019: Start in den Masterstudiengang. 

Ein neuer Beginn, neue Umgebung, neue Stadt, neue Kommiliton*innen. Das erste große Projekt direkt als Gruppenprojekt. In Kleingruppen wurden insgesamt 6 Entwürfe erarbeitet, mit dem Ziel, dass einer von diesen realisiert und abschließend auf der Luminale präsentiert wird. Eine große Chance, schließlich zählt die Luminale mit ihren knapp 250.000 Besuchenden zu einer der größten kulturellen Veranstaltungen in Frankfurt und der Rhein-Main-Region.

Interaktion am Außenobjekt in Frankfurt. Foto: Martina Pipprich

Mitte Dezember, kurz vor der Weihnachtspause, war der große Präsentationstag. Etliche Stunden und Nachtschichten lagen hinter der Gruppe und in die Nervosität mischte sich die Erleichterung und Vorfreude auf die bevorstehende Realisierungsphase. Vor der gesamten Mastergruppe, den betreuenden Professoren und helfenden Händen der Hochschule, Vertretern sowohl vom bdia (Bund Deutscher Innenarchitekten) als auch vom Historischen Museum und den Kooperationspartnern von der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt wurden alle Entwürfe vorgestellt. Mit Glühwein, Kreppeln und reichlich Kaffee lief alles problemlos. Am Ende des Tages und trotz langer Beratungsphase konnte sich die Gruppe nicht auf einen Entwurf einigen. Keinem alleinigen Entwurf; sondern viel mehr dazu, zwei sehr gute Grundansätze miteinander zu verbinden. Somit war LINKED geboren.

Die Monate darauf verbrachten wir unzählige Stunden im Robolab der Hochschule, der Werkstatt und natürlich im Alten Postlager direkt am Mainzer Hauptbahnhof. Denn zum Bauen der Installation brauchte es vor allem eins: Platz! Die Location besticht durch ihre authentische Atmosphäre mit Graffitis an den Wänden, Skater-Halfpipe und dem ca. 500 m² großen Indoor Streetfood-Markt Bereich. Der perfekte Ort also, um sich kreativ auszutoben. Vielen Dank an dieser Stelle an Victor Rabe und dem gesamten Team, die damit bei der Realisierung des Projektes enorm weitergeholfen haben. Nach einem Tag aufräumen, strukturieren und dem Aufbau des eigenen Equipments, konnte im Januar dann endlich losgelegt werden.
Aber kein Projekt ohne Mock-Up: Betreut durch Prof. Gutjahr fertigte das Semester mit Dachlatten, schwarzer Folie und (sehr viel) Gaffa-Tape eine Installation, die in den Grundmaßen identisch zu der späteren war und somit die Dimensionen besser überblicken lassen konnte. In weiteren Wochen der Arbeit, bei denen sich die Gruppe anfänglich aufteilte in die Objektbau- und VR-Gruppe, entstanden nach und nach erst die beiden Podeste für innen und außen sowie darauffolgend das Innen- und Außenobjekt. Hierbei pendelten alle Beteiligten immer wieder zwischen Hochschule und Postlager hin und her.
Gleichzeitig wurde von drei Studentinnen ein Instagram-Account extra für LINKED eingerichtet, über den Interessierte auf dem Laufenden gehalten wurden linked_luminale2020. Die Podeste waren fertiggestellt, alle Platten für das Innenobjekt mehrmals abgeschliffen, grundiert und lackiert – dazu wurde ein Teil der Werkstatt kurzerhand in eine kleine Lackiererei umgewandelt – alle Plexirohre zugeschnitten und präpariert, dutzende Pläne geschrieben. Und schon begann das Zusammensetzen im Postlager. Anfang März war es dann endlich so weit und die Gruppe sah zum ersten Mal, ein paar wenige Tage vor der Luminale, die vollendete Installation. Die nächste große Hürde: Der Transport nach Frankfurt. Hier waren Spanngurte der Freund und Helfer. Mit ein paar wenigen Schrammen kam dann alles heil in Frankfurt an und wurde aufgebaut. Die Vorfreude wuchs und die Zeit bis zur Luminale schwand. Alle freuten sich, endlich feiern zu können. Doch es kam anders.
Die Gegenwart ist die Vergangenheit der Zukunft. Am Tag der Eröffnung, mittags auf der Autobahn nach Frankfurt, holte uns die Zukunft auf der Überholspur ein und unsere Installation wurde Vergangenheit, bevor sie überhaupt in der Gegenwart ankommen durfte. Die Luminale wurde am Tag der Eröffnung abgesagt. Wir waren geschockt, denn ein halbes Jahr intensiver Arbeit lag hinter uns und unsere Installation war bereits seit drei Tagen in Frankfurt am Historischen Museum aufgebaut.

LINKED

LINKED: Die Licht- und Klanginstallation schlägt eine Brücke zwischen der analogen und der virtuellen Welt. Individuum und Gesellschaft stehen sich gegenüber und kommunizieren miteinander über räumliche und zeitliche Grenzen hinweg. Die Kommunikation dieser Bewegungen und Vernetzungen erzeugt Energie, die durch LINKED visuell und klanglich erlebbar wird.
Die Installation im Innen- und Außenraum des Museums besteht aus zwei an einer Membran gespiegelten Teilen: eine offene Stabstruktur auf dem Museumsvorplatz und ein geschlossener Baukörper im Foyer des Museums, in dem Besucher*innen mit Hilfe einer VR-Brille eine virtuelle Welt betreten können. Vernetzung und Fremdsteuerung können so auf unterschiedlichen Wahrnehmungsebenen wechselseitig erfahrbar gemacht werden. Auf dem Vorplatz kann das Publikum die Stabstruktur als leuchtendes Netzwerk aktivieren und mit der so erzeugten Energie spielerisch in Kontakt mit dem Besuchenden der virtuellen Welt im Innenraum treten.
So war der Plan. Am Ende fand, trotz offizieller Absage der Luminale, im Rahmen einer Eröffnung der Veranstaltung „Innenarchitektur Offen” des bdia doch noch eine Vernissage statt. Diese war in kleiner Runde sehr erfolgreich, hat alle sehr gefreut und war eine tolle Bestätigung für die harte und erfolgreiche Arbeit der Masterstudierenden und des ganzen Teams. Aktuell schlummert das Projekt, eingelagert im Alten Postlager in Mainz, im Dornröschenschlaf und wartet darauf, nach Corona für einen kurzen Moment dann doch in der realen Gegenwart angemessen gefeiert zu werden.

Team

Die interaktive Licht- und Klanginstallation „Linked“ ist ein Projekt des Innenarchitektur-Masterstudiengangs „Kommunikation im Raum“ der Hochschule Mainz unter der Leitung von Prof. Klaus Teltenkötter, Prof. Holger Reckter und Prof. Wolf Gutjahr in Kooperation mit der Kompositionsklasse der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt, Prof. Orm Finnendahl.

Masterstudierende „Kommunikation im Raum“ Innenarchitektur
Jana Bald, Milena Brüggemann, Romina Fölsing, Haniye Hashemi, Nina Hattemer, Marlene Hundemer, Laura Jung, Henrieke Kayser, Katrin Lainka, Jacqueline Lang, Verena Lütkemeier, Lina Richel, Katharina Rudolf, Mario Schache, Arlette Schreier, Lea Schüll

Leitung
Prof. Klaus Teltenkötter, Entwurf und Digitale Fertigung/Robolab
Prof. Holger Reckter, Entwurf und VR/Interaktion

Projektvertiefung
Prof. Wolf Gutjahr, Szenografie

Bauleitung
Dipl. Ing. Mathias Ewald
Tutoren Tobit Kirsch, Hussein Nabolsi

Robolab Digitale Fertigung
Sascha Urban, M.A.
Ali Torabi, Max Witkop, Kiara Helk, Lena Brandt

3D Druck
Sascha Urban M.A., Paul Christian Wagner, Lea Schüll, Lena Brandt

VR-Welt und Interaktion
Benjamin Knichel, M.A., Damian Richter

Raumklang Masterstudierende Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt
Robin Wächtershäuser

Leitung Raumklang
Prof. Orm Finnendahl, Davide Gagliade

Das Projekt Linked wird unterstützt von:
Bund Deutscher Innenarchitekten (bdia) 
Historisches Museum Frankfurt (HMF)
Innovationsfond der Hochschule Mainz
Robolab Digitale Fertigung Hochschule Mainz

Das Team (es fehlen: Marlene Hundemer, Lina Richel, Katharina Rudolf). Foto: Martina Pipprich