Biophiles Design

Survival of the happiest?

„Alles, was gegen die Natur ist, hat auf die Dauer keinen Bestand.“
- Charles Darwin -

von Jacqueline Lang, 1. August 2020

Charles Darwin sagte einst „Alles, was gegen die Natur ist, hat auf die Dauer keinen Bestand.“. Als hätte er es vorausgesehen, dass Menschen im Prozess der Urbanisierung irgendwann an einen Punkt gelangen, an dem sie den Tribut für das Abwenden von ihrem natürlichen Ursprung zahlen müssten, nämlich unter Stress zu leiden, weniger glücklich zu sein und so gesundheitliche Schäden davon zu tragen. Unsere Lebensweise hat sich weit von dem Leben im Einklang mit der Natur entfernt und es gehört zum heutigen Standard, seinen Alltag in Städten und Betongebäuden zu verbringen. Als Studierender ist es beispielsweise normal, in einer kleinen, engen Wohnung mit hellhörigen Wänden zu wohnen. Aber auch die Arbeitswelt findet in großen, dunklen und oft lauten Büros statt, die keine Rückzugsorte, geschweige denn ausreichend Tageslicht bieten, während Entspannung zumeist über den abendlichen Medienkonsum gesucht wird. Als einziger Ausgleich zur stressigen Arbeitswoche wird sich am Wochenende die Zeit genommen, um „in die Natur“ zu gehen, sei es einen Spaziergang am Rhein zu machen oder gemütlich im Stadtpark oder im eigenen Garten zu sitzen. Doch reicht das schon aus, um das innere Bedürfnis des Glücklichseins stillen zu können und somit Darwins vorausgesagtem Zerfall entgegen zu wirken?

Ein relativ junger Designansatz hierzu ist das Biophile Design. „Biophilie“ meint die „Liebe zum Lebendigen“ und beschreibt unsere, uns angeborene, Zuneigung zur Natur. Biophiles Design hat das Ziel, die menschlichen Sinne durch die Natur oder ihrer Imitation zu reizen, um damit eine kreativere Umgebung zu schaffen, die Konzentration anregt, Stress reduziert und das Wohlbefinden steigert. Hier spielen der natürliche Lichteinfall, der direkte Kontakt mit der Natur, fließende Übergänge zwischen Innen- und Außenräumen, Architektur und Innenarchitektur mit natürlichen Mustern sowie die Verwendung von nachhaltigen Materialien eine Rolle.

In dem Buch „14 Patterns of Biophilic Design“ hat das amerikanische Nachhaltigkeitsberatungsunternehmen Terrapin Bright Green es auf den Punkt gebracht, was gestalterisch nötig ist, um dem Menschen eine Umgebung zu schaffen, die Urbanisierung und Design in Einklang mit der Natur bringt und somit erheblich zum Glücklichsein beiträgt. Hier wird sich damit befasst, wie Natur in den Raum gelangt, sprich es wird mit Pflanzen, Holz, Stein, Wasserinstallationen, natürlichen Luftströmen oder Brisen, Geräuschen oder Düften und dem Ausblick in die Natur selbst gearbeitet. Auch die Imitation der Natur ist ein wichtiger Faktor und wird beispielsweise durch verschiedene Florhöhen bei Teppichen, die das Gefühl eines Waldbodens vermitteln können, oder andere biomorphe Strukturen umgesetzt. Ein weiterer Aspekt ist etwas abstrakter und beschreibt die Charakteristik des Raumes, nämlich ob es Rückzugsorte oder gute Möglichkeiten der Orientierung im Raum gibt. Hier geht es um instinktive Bedürfnisse des Menschen, wie Sicherheit, Rückzugsmöglichkeit und Übersicht.

Die Natur folgt einem Rhythmus, der durch Tageslicht und Jahreszeit bestimmt ist und so eine stetige Veränderung der Umgebung bewirkt. Dieser natürliche Rhythmus ist neben der Anatomie selbst ein großer Faktor, warum die Natur einen positiven Effekt auf den Menschen hat. Biophiles Design schafft wieder eine Verbindung zwischen diesem natürlichen Rhythmus und dem Menschen.

Seine volle Wirkung kann Biophiles Design entfalten, wenn alle Prinzipien angewandt werden, aber auch das Umsetzen einzelner Prinzipien fördert bereits das Wohlbefinden. Ein Umdenken des Gestaltungssektors könnte also dazu führen, die reine Wirtschaftlichkeit in den Hintergrund und so die Relevanz des Glücklichseins in den Fokus zu stellen. Denn ein langlebiges Design, welches das Wohlbefinden der Nutzer fördert, hat letztendlich auch auf wirtschaftlicher Seite nur Vorteile.